Zukunft entsteht auch in Sundern: FDP besucht ENREGIS
Vor Ort statt vom Schreibtisch aus: Mitglieder von FDP, Ratsfraktion und Jungen Liberalen informieren sich bei ENREGIS über moderne Lösungen für Regenwassermanagement und Klimaanpassung. Die Dimension der Anlagen wurde beim Rundgang durch die Produktion unmittelbar sichtbar.
Wer über die Zukunft Sunderns sprechen will, sollte nicht nur im Rathaus über Wirtschaft, Klimaanpassung und Standortentwicklung diskutieren. Man sollte dorthin gehen, wo Unternehmen bereits heute an Lösungen für die Herausforderungen von morgen arbeiten.
Genau deshalb hat die FDP Sundern ihre Reihe von Unternehmensbesuchen fortgesetzt und die ENREGIS GmbH in Sundern besucht. Insgesamt 14 Teilnehmer aus Ortsverband, Ratsfraktion und den neu gegründeten Jungen Liberalen nutzten die Gelegenheit, ein Unternehmen näher kennenzulernen, das vielen Sundernern dem Namen nach bekannt sein dürfte – dessen Produkte, Technologien und überregionale Bedeutung aber längst nicht jedem bewusst sind.
Empfangen wurde die Gruppe von Tim Vogt, Prokurist und verantwortlich für den Vertrieb bei ENREGIS. Er nahm sich ausführlich Zeit, zunächst das Unternehmen, seine Entwicklung und seine Produkte vorzustellen und anschließend gemeinsam mit den Gästen einen Blick in die Produktion zu werfen.
Vom Start-Up zum Spezialisten für modernes Wassermanagement aus Sundern
ENREGIS beschäftigt sich seit 2008 mit einer Ressource, deren Bedeutung durch den Klimawandel noch einmal erheblich zugenommen hat: Wasser.
Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie Regenwasser dort bewirtschaftet werden kann, wo es anfällt. Statt Niederschläge möglichst schnell über versiegelte Flächen und Kanalisationen abzuleiten, wird Wasser gespeichert, versickert, gereinigt oder einer weiteren Nutzung zugeführt.
Dahinter steht ein grundlegender Wandel im Umgang mit Niederschlagswasser. Gerade bei zunehmenden Starkregenereignissen einerseits und längeren Trockenperioden andererseits reicht es nicht mehr aus, Wasser lediglich als etwas zu betrachten, das möglichst schnell „weg“ muss.
Moderne Regenwasserbewirtschaftung versucht vielmehr, natürliche Wasserkreisläufe auch in bebauten Gebieten so weit wie möglich zu erhalten oder wiederherzustellen.
Ein Begriff fiel deshalb während des Besuchs immer wieder: die „Schwammstadt“.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie anspruchsvoll in der Umsetzung. Städte und Siedlungsräume sollen Niederschläge ähnlich wie ein Schwamm aufnehmen, zwischenspeichern und zeitverzögert wieder abgeben können. Dadurch können Kanalisationen bei Starkregen entlastet, Überflutungsrisiken reduziert und gleichzeitig Wasser für Trockenperioden verfügbar gehalten werden.
ENREGIS entwickelt und produziert technische Lösungen, die genau an dieser Stelle ansetzen.
Klimaanpassung wird zur kommunalen Aufgabe
Für uns als FDP Sundern war dieser Aspekt besonders interessant. Denn Klimapolitik wird auf kommunaler Ebene häufig vor allem unter dem Gesichtspunkt der CO₂-Vermeidung diskutiert. Die Anpassung an Veränderungen, die längst stattfinden, verdient aus unserer Sicht mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit.
Starkregen, Hochwasser, längere Trockenperioden und hohe Temperaturen stellen Städte und Gemeinden vor sehr konkrete Herausforderungen. Hier geht es nicht um abstrakte Klimaziele für das Jahr 2045, sondern um Straßen, Grundstücke, Kanalisationen, Gewässer und öffentliche Räume unmittelbar vor unserer Haustür.
Schon in unserem Kommunalwahlprogramm haben wir deshalb für eine stärker auf Vorsorge und Anpassung ausgerichtete kommunale Klimapolitik geworben. Dazu gehören unter anderem ein verbessertes Starkregenmanagement, intelligente Wasserführung, Versickerungsmöglichkeiten und Elemente des Schwammstadtprinzips.
Umso bemerkenswerter ist es, dass ein Unternehmen, das genau an solchen Lösungen arbeitet, seinen Sitz ausgerechnet in Sundern hat.
Beeindruckend wird Technik erst, wenn man sie sieht
Nach der ausführlichen Vorstellung des Unternehmens ging es deshalb in die Produktion.
Hier wurde schnell deutlich, dass hinter Begriffen wie Regenwassermanagement, Versickerung oder Rückhaltung keine theoretischen Konzepte stehen. Die Dimensionen der Anlagen und Bauteile, ihre konstruktive Auslegung und die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten vermitteln einen wesentlich besseren Eindruck davon, welche technischen Herausforderungen hinter einem modernen Wassermanagement stehen.
Gerade solche Einblicke sind ein wesentlicher Grund dafür, warum wir als FDP Sundern Unternehmensbesuche für wichtig halten.
Eine PowerPoint-Präsentation über den Wirtschaftsstandort kann das Gespräch mit den Menschen, die hier investieren, entwickeln, produzieren und Arbeitsplätze schaffen, nicht ersetzen.
Ein starkes Unternehmen braucht einen starken Standort
ENREGIS befindet sich zugleich in einer interessanten Phase seiner Unternehmensentwicklung. Das Unternehmen ist inzwischen Teil der ACO-Gruppe und damit in eine deutlich größere Unternehmensstruktur eingebunden. Der Standort Sundern und die hier vorhandenen Kompetenzen bleiben dabei von Bedeutung.
Für uns führt das zu einer Frage, die weit über ENREGIS hinausgeht: Was muss eine Stadt tun, damit innovative und erfolgreiche Unternehmen nicht nur hier entstehen, sondern auch dauerhaft hierbleiben und sich weiterentwickeln können?
Die Antwort darauf liegt aus unserer Sicht nicht in einzelnen Förderprogrammen oder politischen Sonntagsreden.
Unternehmen brauchen funktionierende Infrastruktur, verfügbare Gewerbeflächen, leistungsfähige digitale Netze, eine zuverlässige Energieversorgung und vor allem eine Verwaltung, die wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht. Genehmigungen müssen berechenbar sein, Ansprechpartner erreichbar und politische Entscheidungen verlässlich.
Das ist umso wichtiger, weil die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Sunderns unmittelbar mit der Handlungsfähigkeit unserer Stadt zusammenhängt.
Der Haushaltsentwurf 2026 kalkuliert allein mit 24 Millionen Euro Gewerbesteuer. Gleichzeitig steht einem geplanten Ertrag von rund 82,1 Millionen Euro ein Aufwand von rund 96,5 Millionen Euro gegenüber; selbst nach Berücksichtigung des globalen Minderaufwands verbleibt ein Fehlbedarf von rund 12,5 Millionen Euro.
Wirtschaftspolitik ist deshalb für uns keine Politik für eine einzelne Interessengruppe. Erfolgreiche Unternehmen, gute Arbeitsplätze und kommunale Finanzkraft hängen unmittelbar miteinander zusammen.
Politik muss Unternehmen kennen
Die Jungen Liberalen begleiten die FDP Sundern beim Unternehmensbesuch bei ENREGIS und informieren sich vor Ort über die groß dimensionierten Anlagen für modernes Regenwassermanagement.
Daraus ergibt sich auch ein Anspruch an unsere eigene politische Arbeit.
Wer im Rat über Gewerbeflächen, Straßen, Energie, Fachkräfte, Wirtschaftsförderung oder kommunale Abgaben entscheidet, sollte wissen, welche Unternehmen in Sundern tätig sind und womit sie ihr Geld verdienen.
Wir wollen deshalb nicht darauf warten, dass Unternehmer zu einer politischen Veranstaltung kommen oder sich erst dann bei uns melden, wenn bereits ein konkretes Problem entstanden ist.
Wir wollen zu ihnen gehen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, bei jedem Unternehmensbesuch anschließend einen politischen Forderungskatalog zu präsentieren. Zunächst geht es um etwas viel Einfacheres: zuhören, verstehen und Zusammenhänge kennenlernen.
Welche Produkte entstehen in Sundern? Wo liegen die Märkte? Warum investiert ein Unternehmen hier? Was funktioniert am Standort gut? Was funktioniert nicht? Welche Entwicklungen kommen auf die Branche zu? Und was davon kann Kommunalpolitik überhaupt beeinflussen?
Diese Gespräche helfen uns, politische Entscheidungen später besser einordnen zu können.
Sundern kann mehr, als man manchmal glaubt
Der Besuch bei ENREGIS hat uns noch etwas anderes vor Augen geführt.
Die öffentliche Diskussion über Sundern konzentriert sich häufig auf Probleme: den städtischen Haushalt, Infrastrukturdefizite, Leerstände, demografische Entwicklung oder die Schwierigkeiten einzelner kommunaler Projekte.
Diese Probleme existieren. Sie kleinzureden wäre falsch.
Aber sie sind eben nur ein Teil der Realität unserer Stadt.
Der andere Teil besteht aus mittelständischen Unternehmen, Handwerksbetrieben, engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die teilweise hochspezialisierte Produkte entwickeln und damit weit über die Grenzen Sunderns hinaus erfolgreich sind.
ENREGIS ist dafür ein gutes Beispiel.
„Wir haben ein hochinnovatives Unternehmen kennengelernt, das Lösungen für Herausforderungen entwickelt, die unsere Gesellschaft in Zukunft immer stärker beschäftigen werden“, fasst der FDP-Ortsvorsitzende Oliver Brenscheidt den Besuch zusammen. „Es macht uns durchaus stolz, dass ein solches Unternehmen seinen Sitz in Sundern hat und von hier aus überregional und international tätig ist.“
Wirtschaft, Klimaanpassung und kommunale Entwicklung zusammendenken
Besonders interessant ist für uns die Verbindung verschiedener Themen, die bei ENREGIS sichtbar wird.
Hier treffen industrielle Wertschöpfung und Klimaanpassung aufeinander. Ein Unternehmen schafft Arbeitsplätze und wirtschaftliche Leistung und entwickelt gleichzeitig Technologien, die Kommunen bei einer ganz praktischen Zukunftsaufgabe helfen können.
Das entspricht ziemlich genau unserem Verständnis moderner Umwelt- und Wirtschaftspolitik: Probleme nicht in erster Linie durch Verbote und Verzicht lösen zu wollen, sondern durch Ingenieurwissen, Innovation und unternehmerische Initiative.
Für eine Stadt wie Sundern liegt darin eine besondere Chance. Wir müssen nicht jeden Lösungsansatz selbst erfinden. Manchmal lohnt sich zunächst der Blick darauf, welches Wissen bereits unmittelbar vor unserer Haustür vorhanden ist.
Wir setzen die Gespräche fort
Der Besuch bei ENREGIS soll deshalb kein Einzeltermin bleiben.
Als FDP Sundern wollen wir unsere Gespräche mit Unternehmen, Vereinen, Institutionen und anderen Akteuren unserer Stadt konsequent fortsetzen. Kommunalpolitik findet für uns nicht nur im Ratssaal statt.
Wir wollen wissen, was in Sundern funktioniert. Wir wollen erfahren, wo es Probleme gibt. Und wir wollen Menschen kennenlernen, die Verantwortung übernehmen und etwas bewegen.
Denn gute Kommunalpolitik beginnt nicht mit der Antwort.
Sie beginnt damit, die richtigen Fragen zu stellen – und zuzuhören, bevor man entscheidet.
Wir bedanken uns bei Tim Vogt und dem gesamten Team von ENREGIS für die Zeit, die offene Diskussion und den ausführlichen Einblick in das Unternehmen. Für viele Teilnehmer dürfte nach diesem Besuch klarer geworden sein, welche bemerkenswerte Technologie mitten in Sundern entwickelt und produziert wir
Beim Rundgang durch die Produktion erläutert ENREGIS-Prokurist Tim Vogt (rechts) den Mitgliedern von FDP Sundern, Ratsfraktion und Jungen Liberalen die Technik und Funktionsweise der in Sundern gefertigten Anlagen für modernes Regenwassermanagement.