Logo FDP Ortsverband Sundern

Neubau der Technischen Dienste in Sundern: Wie aus einem langjährigen Sanierungsproblem ein 18-Millionen-Euro-Projekt wurde

Der Neubau der Technischen Dienste am Ewigen Weg ist notwendig. Daran besteht nach Auswertung der öffentlich zugänglichen Unterlagen kaum ein vernünftiger Zweifel: Der bisherige Betriebshof am Schwemker Ring wird seit 1975 genutzt, war nach Darstellung der Stadt bereits vor Baubeginn dringend sanierungsbedürftig und bot nicht mehr genügend Platz. Die Stadt bezeichnete den Neubau deshalb ausdrücklich als wirtschaftlichere Alternative zu einer Sanierung und Erweiterung des Altstandorts.
Die offene Frage ist deshalb nicht, ob Sundern einen vernünftigen Betriebshof braucht. Die offene Frage lautet, wie sich die finanziellen Dimensionen des Vorhabens entwickelt haben, welche Veränderungen des Leistungsumfangs dahinterstehen und wann der Rat darüber in welcher Qualität informiert und beteiligt worden ist.

Die bisher rekonstruierbare Kostenhistorie wirft erhebliche Fragen auf. Im September 2018 wurde im Zuge des Haushaltsentwurfs 2019 öffentlich eine „erste Kostenschätzung“ von 3,4 Millionen Euro genannt. Der jetzt im Rechnungsprüfungsausschuss behandelte Antrag nennt für 2019 einen Ausgangswert von 6,5 Millionen Euro. Beim Richtfest im September 2025 kommunizierte die Stadt schließlich eine Gesamtinvestition von 18 Millionen Euro. Auch die offizielle Beschlussvorlage vom 21. September 2026 arbeitet weiterhin mit geschätzten Gesamtkosten von 18 Millionen Euro.

Das bedeutet: Selbst gegenüber den im Prüfungsantrag angesetzten 6,5 Millionen Euro hat sich die Größenordnung rechnerisch um 11,5 Millionen Euro beziehungsweise rund 177 Prozent erhöht. Gegenüber der ersten öffentlich berichteten Kostenschätzung von 3,4 Millionen Euro beträgt die Differenz sogar 14,6 Millionen Euro. Dieser Vergleich beweist allerdings noch keine Fehlsteuerung, weil die jeweiligen Zahlen offenkundig aus unterschiedlichen Planungsständen stammen können. Genau darauf weist inzwischen auch die Verwaltung selbst hin: Für eine sachgerechte Bewertung müssten Planungsstand, Preisstand und Leistungsumfang der jeweiligen Kostenstände miteinander abgeglichen werden.

Fest steht ebenfalls: Der realisierte beziehungsweise 2023 öffentlich vorgestellte Neubau ist technisch anspruchsvoll. Er umfasst Verwaltungs- und Sozialbereiche, Werkstätten, Lager- und Fahrzeughallen für den gesamten Fuhrpark, ein Salzsilo für rund 600 Tonnen, weitgehende Holzbauweise, Wärmepumpen, zunächst etwa 90 kWp Photovoltaik, begrünte Dächer, ein Regenrückhaltebecken und zusätzliche Retentionsflächen. Nicht belegt ist bislang hingegen, welche dieser Bestandteile bereits in den frühen Kostenansätzen enthalten waren und welche später hinzugekommen oder qualitativ angehoben worden sind.

Auch die allgemeine Baupreisentwicklung erklärt die Differenz nicht vollständig. Die amtlichen Baupreisindizes des Statistischen Bundesamtes zeigen zwischen 2019 und Anfang 2026 für gewerbliche Betriebsgebäude rechnerisch einen Preisanstieg in der Größenordnung von rund 54 Prozent. Ein rein preisindexierter Betrag von 6,5 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 läge damit grob bei 10 Millionen Euro, nicht bei 18 Millionen Euro. Das ist keine projektbezogene Kostenrechnung, zeigt aber: Neben Marktpreisen müssen weitere Faktoren wie Leistungsumfang, Flächen, Ausstattung, Planungsfortschreibung oder projektbezogene Änderungen eine erhebliche Rolle spielen – sofern der Ausgangswert von 6,5 Millionen Euro tatsächlich vergleichbar ist.

Politisch ist inzwischen ein wichtiger Schritt erfolgt. Der förmliche Antrag auf Rechnungsprüfung wurde von SundernDirekt gestellt, dokumentiert aber ausdrücklich, dass FDP-Fraktionsvorsitzender Alfred Heidbrink zuvor alle Fraktionsvorsitzenden zu einem gemeinsamen Vorgehen aufgerufen hatte. In dem Antrag ist außerdem festgehalten, dass FDP und AfD ihre Unterstützung für eine Behandlung im Rechnungsprüfungsausschuss zugesagt hatten.

Nach dem unmittelbar aus der Sitzung vom 29. September 2026 übermittelten internen Bericht von Alfred Heidbrink wurde der Prüfauftrag mit zwei Ja-Stimmen bei sieben Enthaltungen und ohne Gegenstimme angenommen.

Besonders relevant wird die Aufarbeitung vor dem Hintergrund der Haushaltslage. Sundern befand sich bis 2020 in der Haushaltssicherung, erzielte anschließend bis 2023 positive Ergebnisse, plante aber bereits 2024 mit einem Defizit von 8,8 Millionen Euro und 2025 mit 10,9 Millionen Euro. Die gpaNRW stellte im Mai 2026 fest, dass nach der Finanzplanung bereits 2026 die Ausgleichsrücklage vollständig aufgezehrt wird und sich die Gesamtverbindlichkeiten aufgrund weitgehend kreditfinanzierter Investitionen bis 2028 verdoppeln könnten. Die gpaNRW kritisierte zudem, dass für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen großer Investitionen bislang weder eine Wertgrenze noch einheitliche Standards bestehen.

Die Chronologie: vom Sanierungsproblem zum Millionenprojekt

Die offizielle Beschlussvorlage des Rechnungsprüfungsausschusses reicht die Vorgeschichte sogar bis Januar 2001 zurück: Damals begann eine Organisationsuntersuchung des städtischen Bauhofs. Die Verwaltung selbst spricht deshalb inzwischen von einer rund 25-jährigen Vorgeschichte. Für die aktuelle politische Debatte ist insbesondere der Zeitraum ab 2018 entscheidend.

Rekonstruierte Entscheidungs- und Kostenchronologie

Datum / Zeitraum Dokument oder Entwicklung Kommunizierter Kostenstand Planungs-/Projektstand Politisch bzw. administrativ Verantwortliche Bewertung
September 2018 Einbringung Haushaltsentwurf 2019; lokale Berichterstattung über den Betriebshof 3,4 Mio. € „erste Kostenschätzung“ Sehr früher Planungsstand Bürgermeister Ralph Brodel; Rat und Fachausschüsse anschließend in Haushaltsberatung Frühester von uns aufgefundener öffentlicher Kostenwert. [7]
2019 In den 2026 vorgelegten Prüfungsunterlagen wird für 2019 ein Ausgangswert von 6,5 Mio. € angesetzt 6,5 Mio. € Nicht eindeutig geklärt damaliger Rat / Verwaltung Der Wert ist 2026 amtlich Gegenstand der Vorlage, der zugrunde liegende konkrete Haushaltsansatz bzw. Ratsbeschluss von 2019 konnte jedoch nicht eindeutig verifiziert werden.
2020 Bürgermeisterwechsel; Projekt bleibt langjähriges Infrastrukturthema nicht belastbar rekonstruiert Vorplanung / Bedarfsentwicklung wahrscheinlich; öffentlich aufgefundene Projektvorlage fehlt ab 2020 Klaus-Rainer Willeke Projektbezogene Beschlüsse und DIN-276-Kostenstände müssen aus RIS/Akten nachgezogen werden.
2021 Haushalt erstmals wieder außerhalb der Haushaltssicherung; erhebliche kommunale Investitionstätigkeit möglich nicht auffindbar — Rat / Verwaltung Kein belastbarer projektspezifischer Kostenwert in den aufgefundenen öffentlich indexierten Quellen. Die Stadt war nach guten Abschlüssen nicht mehr in Haushaltssicherung. [8]
2022–2023 Projektplanung konkretisiert sich; Planung und Bauüberwachung durch WPW aus Dortmund Zwischenstände nicht auffindbar Entwurfs-/Genehmigungs- und Ausführungsreife Willeke; Fachbereich Stadtentwicklung/Infrastruktur; WPW Gerade diese Phase ist für die Prüfung entscheidend.
6. Dezember 2023 Stadt berichtet über symbolischen Spatenstich In PM kein hier aufgefundener Gesamtbetrag Baureife / Beginn vorbereitender Arbeiten Klaus-Rainer Willeke; Dr. Jacqueline Bila als Erste Beigeordnete; Lars Ohlig; Oliver Lange; Dirk Vielhaber; WPW Erstmals wird der endgültig erkennbare Leistungsumfang detailliert öffentlich: Holzbau, Wärmepumpen, PV, Gründächer, Retention, 600-t-Silo usw. [9]
Anfang 2024 Erdarbeiten / Bauausführung beginnen; Baugenehmigung liegt vor projektspezifischer Gesamtstand öffentlich nicht aufgefunden Bauausführung Verwaltung unter Willeke 2024 werden stadtweit über 30 Mio. € Investitionsmittel bereitgestellt; Technische Dienste zählen zu den Schwerpunktprojekten. [10]
2024 Haushalt mit Defizit von 8,8 Mio. € — laufende Ausführung Rat / Willeke / Kämmerer Stadt spricht bereits von notwendiger Konsolidierung, um einer erneuten Haushaltssicherung vorzubeugen. [10]
29. Januar 2025 Haushalt 2025 beschlossen — laufende Ausführung Rat / Willeke Haushaltsdefizit 10,9 Mio. €, weitere Investitionen dennoch notwendig; Technische Dienste eines der drei größten Bauprojekte. [11]
3./4. September 2025 Richtfest 18 Mio. € Gesamtinvestition Rohbau weit fortgeschritten Bürgermeister Klaus-Rainer Willeke Erster klar auffindbarer offizieller öffentlicher Gesamtwert in dieser Größenordnung. [12]
November 2025 Dr. Jacqueline Bila übernimmt Bürgermeisteramt Projekt bereits weitgehend in Bau Bauausführung Dr. Bila Projektverantwortung wechselt in der Schlussphase zur neuen Bürgermeisterin. [13]
Mai 2026 Lokale Berichterstattung über weit fortgeschrittenen Ausbau keine neue belastbare Gesamtsumme Ausbau / Endphase Verwaltung Bila Fertigstellung hatte sich gegenüber früheren Planungen nach hinten verschoben.
16. August 2026 laut SD-Antrag E-Mail Alfred Heidbrinks an sämtliche Fraktionsvorsitzende mit Vorschlag eines gemeinsamen Vorgehens Gegenüberstellung 6,5 → ca. 18 Mio. € politische Aufarbeitung beginnt Alfred Heidbrink / FDP Der formelle SD-Antrag dokumentiert ausdrücklich diesen FDP-Anstoß.
18. September 2026 formeller Antrag SundernDirekt 6,5 Mio. € 2019 → 18 Mio. € geschätzt Antrag Rechnungsprüfung Serhat Sarikaya, Michael Frahling; mit dokumentierter Unterstützung FDP/AfD Ziel: Kostenüberleitung plus Handlungsempfehlungen für künftige Großprojekte.
21. September 2026 Verwaltungsvorlage 292/XI weiterhin 18 Mio. € geschätzte Gesamtkosten Prüfung wird rechtlich vorbereitet Bürgermeisterin Bila; Kämmerer Michael Stratmann Verwaltung bestätigt, dass eine bloße Gegenüberstellung der Ansätze nicht genügt und Planungsstand, Preisstand und Leistungsumfang untersucht werden müssen.
29. September 2026 Rechnungsprüfungsausschuss — Prüfauftrag zur Abstimmung RPA Nach internem Sitzungsbericht Heidbrinks: 2 Ja, 7 Enthaltungen, 0 Nein – Antrag angenommen. Amtliches Protokoll noch abzuwarten.

Was die Baupreisentwicklung erklären kann – und was nicht

Ein erheblicher Teil der Entwicklung fällt in eine außergewöhnliche Baupreisphase. Nach den amtlichen Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen insbesondere 2021 bis 2023 die Preise für gewerbliche Betriebsgebäude stark. 2022 lagen die jährlichen Steigerungsraten zeitweise bei rund 17 bis 19 Prozent. Anfang 2026 lagen die Preise für gewerbliche Betriebsgebäude noch einmal 3,4 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Aus den Destatis-Reihen lässt sich grob ableiten, dass der Preisstand für gewerbliche Betriebsgebäude Anfang 2026 rund 54 Prozent über dem Jahresniveau 2019 lag. Rein indexiert würden 6,5 Millionen Euro von 2019 damit ungefähr 10 Millionen Euro entsprechen.

Das ist wichtig, weil es zwei politische Vereinfachungen gleichermaßen widerlegt:

„Die gesamte Differenz ist eine Kostenexplosion durch Fehlplanung“ lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht behaupten. Ein beträchtlicher Teil kann durch Baupreisentwicklung erklärt werden.

Aber ebenso wenig überzeugt „das waren eben die Baupreise“. Selbst eine grobe Preisfortschreibung von 6,5 Millionen Euro landet bei etwa 10 Millionen Euro. Zwischen diesem Niveau und 18 Millionen Euro verbleibt eine erhebliche Größenordnung, die projektbezogen erklärt werden muss.

Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass ein Bauhof aus sehr unterschiedlichen Gewerken, Außenanlagen und technischen Einrichtungen besteht. Der Destatis-Index ist deshalb lediglich ein Plausibilitätsmaßstab, keine Abrechnung des konkreten Projekts.

Was sich am Leistungsumfang belegen lässt

Spätestens beim Spatenstich Ende 2023 bestand das öffentlich vorgestellte Projekt aus deutlich mehr als einem einfachen Hallenbau. Das etwa 1,2 Hektar große Gelände sollte Verwaltungs- und Sozialräume, Werkstätten, Lagerhallen, Fahrzeughallen für den gesamten Fuhrpark und ein 600-Tonnen-Salzsilo aufnehmen. WPW aus Dortmund war nach Stadtangaben mit Planung und Bauüberwachung beauftragt.

Hinzu kamen Nachhaltigkeits- und Entwässerungskomponenten: weitgehende Holzbauweise, Wärmepumpen, zunächst etwa 90 kWp Photovoltaik, Dachbegrünung, Regenrückhaltebecken und zusätzliche Retentionsflächen. Dieselben Merkmale wurden beim Richtfest 2025 weiterhin genannt.

Die Behauptung, überhöhte Flächenforderungen des Nutzers hätten zu Mehrkosten geführt, ist bislang lediglich eine Prüfhypothese. Ansprechpartner des Nutzers war und ist die Leitung der Technischen Dienste. Ob und wann sich Nutzeranforderungen, Personalansätze, Fahrzeugbestand, Hallenflächen oder Werkstattgrößen verändert haben, lässt sich aus den veröffentlichten Presseinformationen nicht rekonstruieren.

Was der Beschluss vom 29. September politisch bedeutet

Der formelle Antrag stammt von SundernDirekt. Seine Entstehungsgeschichte ist allerdings ungewöhnlich klar dokumentiert: SundernDirekt schreibt selbst, dass Alfred Heidbrink als Vorsitzender der FDP-Fraktion am 16. August sämtliche Fraktionsvorsitzenden angeschrieben und einen gemeinsamen Antrag vorgeschlagen hatte. Weiter heißt es, FDP und AfD hätten ihre Unterstützung für die Behandlung im Rechnungsprüfungsausschuss bereits zugesagt.

Damit ist die korrekte politische Beschreibung:

Der Anstoß zur gemeinsamen Aufarbeitung kam von der FDP; SundernDirekt überführte diesen Anstoß in einen formellen Antrag; FDP und AfD sagten ihre Unterstützung zu.

Die Verwaltung stellte sich einer Prüfung rechtlich nicht entgegen. Vorlage 292/XI verweist vielmehr ausdrücklich auf § 104 GO NRW und führt aus, dass die örtliche Rechnungsprüfung Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit prüfen könne und der Rechnungsprüfungsausschuss einen entsprechenden Auftrag erteilen könne.

Nach einem Sitzungsbericht fiel die Abstimmung mit 2 Ja, 7 Enthaltungen und keiner Nein-Stimme aus. Daraus lassen sich bereits zwei Dinge sauber ableiten, sofern die Niederschrift das Ergebnis bestätigt:

Erstens wurde der Antrag angenommen. Zweitens erhielt er zwar keine breite aktive Zustimmung, wurde aber auch von niemandem abgelehnt. Politisch ist das etwas anderes als eine 2:7-Niederlage oder eine mehrheitliche Ablehnung.

Der Bauhof und Sunderns Haushaltslage

Das Thema erhält durch die kommunalen Finanzen eine Dimension, die weit über dieses einzelne Gebäude hinausgeht.

2024 beschloss Sundern einen Haushalt mit einem geplanten Defizit von 8,8 Millionen Euro. Bereits damals erklärte die Stadt selbst, Konsolidierung sei erforderlich, um einer Haushaltssicherung vorzubeugen.

2025 lag das beschlossene Defizit bei 10,9 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden weitere notwendige Investitionen fortgeführt; zu den drei größten Bauprojekten gehörten ausdrücklich die Technischen Dienste, die Realschule und die Feuerwehrzentrale.

Die überörtliche Prüfung der gpaNRW verschärft das Bild. Nach deren im Mai 2026 vorgestellter Analyse war Sunderns Entwicklung bis 2023 positiv, doch ab 2025 werden negative Jahresergebnisse geplant. Die Ausgleichsrücklage soll bereits 2026 vollständig verbraucht sein, das Eigenkapital bis 2028 erheblich sinken und die Gesamtverbindlichkeiten könnten sich nach der aktuellen Finanzplanung aufgrund umfangreicher, weitgehend kreditfinanzierter Investitionen bis 2028 verdoppeln. Die gpaNRW bewertet den Handlungsbedarf ausdrücklich als hoch.

Für die Bauhofdebatte besonders bemerkenswert ist eine weitere Feststellung der Prüfer: Sundern führe bei großen Investitions- und Beschaffungsmaßnahmen zwar Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durch, habe bislang aber keine Wertgrenze und keine einheitlichen Standards dafür festgelegt.

Abschließender Befund

Die derzeitige Quellenlage reicht aus, um drei Aussagen mit hoher Sicherheit zu treffen.

Erstens: Der Neubau war aufgrund des Zustands und der Platzprobleme des alten Betriebshofs sachlich begründet.

Zweitens: Die öffentlich sichtbare Kostenentwicklung ist außergewöhnlich: von einer ersten Kostenschätzung von 3,4 Millionen Euro über einen heute für 2019 verwendeten Referenzwert von 6,5 Millionen Euro bis zu 18 Millionen Euro Gesamtinvestition. Die allgemeine Baupreisentwicklung erklärt davon einen relevanten, aber bei weitem nicht offensichtlich den gesamten Unterschied.

Drittens: Noch fehlt das entscheidende Bindeglied – eine jahres- und planungsstandsgenaue Kostenüberleitung, die zeigt, wann aus welchem Grund welche Millionenbeträge hinzugekommen sind und wie Rat und Ausschüsse darüber informiert beziehungsweise beteiligt wurden. Genau diese Lücke soll die Rechnungsprüfung nun schließen.

Damit liegt der politisch entscheidende Punkt nicht in der Behauptung, es habe bereits nachweislich Fehlverhalten gegeben. Er liegt darin, dass bei einem der größten kommunalen Bauvorhaben der vergangenen Jahre eine solche Kostenentwicklung heute nicht ohne Weiteres aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen nachvollzogen werden kann.

Vor dem Hintergrund der von der gpaNRW attestierten angespannten Finanzperspektive ist das mehr als eine historische Frage zum Bauhof. Es ist eine Frage, wie Sundern seine nächsten Millionenprojekte steuert, bevor die finanziellen Spielräume noch enger werden.

Quellen, Primärdokumente und offene Akten

Primärdokumente zum aktuellen Prüfverfahren

Stadt Sundern, Beschlussvorlage 292/XI vom 21.09.2026
„Antrag zur Beauftragung der örtlichen Rechnungsprüfung, die Kostensteigerung des Neubaus der technischen Dienste zu analysieren.“ Die Vorlage nennt den Vergleich 6,5 Millionen Euro 2019 zu geschätzten 18 Millionen Euro Gesamtkosten und verlangt ausdrücklich eine Betrachtung von Planungsstand, Preisstand und Leistungsumfang. fileciteturn0file0

Antrag SundernDirekt vom 18.09.2026
Dokumentiert die vorherige Initiative Alfred Heidbrinks, die Kommunikation zwischen Fraktionen und die zugesagte Unterstützung von FDP und AfD. fileciteturn0file1

Stellungnahme 029/2026-ST vom 21.09.2026
Bestätigt die formale Zulässigkeit des Antrags nach § 4 der Geschäftsordnung. Auffällig ist der dort genannte Eingang am 28.08.2026, obwohl der beigefügte Antrag auf den 18.09.2026 datiert ist. fileciteturn0file2

Rats- und Bürgerinformationssystem der Stadt Sundern:
https://sundern.ratsinfomanagement.net/

Die Stadt erläutert, dass dort Einladungen, Vorlagen, Niederschriften, Fraktionsdaten und weitere öffentliche Ratsunterlagen bereitgestellt werden. [14]

Offizielle Projektquellen

Stadt Sundern: „Neubau der Technischen Dienste“, 06.12.2023
https://www.sundern.de/rathaus-buergerservice/pressemeldungen/pressemeldung-detail/neubau-der-technischen-dienste

Die Quelle beschreibt Sanierungsbedarf des Altstandorts, Flächenproblem, Planung durch WPW, Raumprogramm, Salzsilo, Holzbauweise, Wärmepumpen, PV, Gründächer und Retentionsmaßnahmen. [9]

Stadt Sundern: „Richtfest am Neubau für die Technischen Dienste“, 04.09.2025
https://www.sundern.de/rathaus-buergerservice/pressemeldungen/pressemeldung-detail/richtfest-am-neubau-fuer-die-technischen-dienste

Hier nennt die Stadt ausdrücklich 18 Millionen Euro Gesamtinvestition. [12]

Frühere Kostenberichterstattung

SauerlandKurier: Haushaltsplanentwurf 2019, September 2018
https://www.sauerlandkurier.de/hochsauerlandkreis/sundern/haushaltsplanentwurf-2019-stand-sundern-mittelpunkt-ratssitzung-10282052.html

Die zeitgenössische Berichterstattung nennt für den Betriebshof eine „erste Kostenschätzung“ von 3,4 Millionen Euro. [7]

SauerlandKurier: Richtfest 2025
https://www.sauerlandkurier.de/hochsauerlandkreis/sundern/guter-tag-fuer-unsere-stadt-richtfest-am-neubau-fuer-die-technischen-dienste-93919000.html

Der Bericht übernimmt die städtische Angabe von 18 Millionen Euro und beschreibt den realisierten technischen Standard. [24]

Haushaltsunterlagen

Die Stadt stellt die Haushaltspläne der relevanten Jahre zentral bereit. Für die abschließende Rechnungsprüfung sollten insbesondere die Investitionsmaßnahmen, Verpflichtungsermächtigungen und möglichen Ermächtigungsübertragungen zum Neubau der Technischen Dienste aus allen Jahren einzeln extrahiert werden.

Haushaltsbuch 2019:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/Haushaltsbuch_2019.pdf

Haushaltsplan 2020:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/Endfassung_Haushaltsplan_2020_20200107_Rose.pdf

Haushaltsplan 2021:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/Endfassung_Haushalt_2021_20210422.pdf

Doppelhaushalt 2022/2023:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/Endfassung_Haushalt_2022_2023_20220120.pdf

Haushaltsplan 2024:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/HHP_2024_Endfassung_Gesamtdatei_20240403.pdf

Haushaltsplan 2025:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/Haushaltsplan_2025.pdf

Haushaltsplan 2026:
https://www.sundern.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushalt/Haushalt_2026.pdf

Die Stadt bezifferte das Defizit des Haushalts 2024 mit 8,8 Millionen Euro und das Defizit 2025 mit 10,9 Millionen Euro. [25]

Finanz- und Prüfungsquellen

Überörtliche Prüfung der Stadt Sundern durch die gpaNRW, Vorstellung Mai 2026
https://www.sundern.de/rathaus-buergerservice/pressemeldungen/pressemeldung-detail/ueberoertliche-pruefung-der-stadt-sundern-durch-die-gpanrw

Besonders relevant sind drei Befunde: vollständiger Verbrauch der Ausgleichsrücklage laut Planung 2026, erheblicher Eigenkapitalverzehr und möglicherweise Verdopplung der Gesamtverbindlichkeiten bis 2028 sowie fehlende einheitliche Standards für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen großer Investitionen. [17]

Gemeindeordnung NRW, § 76 Haushaltssicherungskonzept:
https://recht.nrw.de/lrgv/gesetz/01112025-gemeindeordnung-fuer-das-land-nordrhein-westfalen-go-nrw-bekanntmachung-der/

Die gesetzlichen Kriterien zeigen, warum ein hoher Fehlbetrag allein noch keine automatische Haushaltssicherung bedeutet. [23]

Baupreisentwicklung

Statistisches Bundesamt: Baupreisindizes für Nichtwohngebäude
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Preise/bpr110a.html

Die Daten dokumentieren den erheblichen Preisauftrieb bei Büro- und gewerblichen Betriebsgebäuden insbesondere seit 2021. [26]

Destatis: Baupreise Februar 2026
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_126_61261.html

Für gewerbliche Betriebsgebäude wurde Anfang 2026 nochmals ein Plus von 3,4 Prozent binnen Jahresfrist gemessen. [27]