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Hellefeld: Verkehrssicherheit mit Augenmaß statt pauschalem Tempo 30

Hellefeld braucht keine pauschalen Lösungen, sondern Maßnahmen mit Augenmaß. Der Ausschuss hat den SPD-Antrag auf eine flächendeckende Tempo-30-Zone abgelehnt und stattdessen konkrete Verbesserungen an Schulweg, Beschilderung und Verkehrsführung auf den Weg gebracht. Für die FDP ist das der richtige Ansatz: erst prüfen, dann gezielt handeln.

Tempo 30 Zone Schild vor bedrohlich grauem Himmel

Der Ausschuss für Bürgerdienste, Ordnung, Sicherheit und Soziales hat sich in seiner Sitzung am 10. September 2026 intensiv mit der Verkehrssituation in Hellefeld befasst. Zur Beratung standen zwei deutlich unterschiedliche politische Ansätze: Die SPD hatte eine flächendeckende Tempo-30-Zone für den Ortsteil beantragt. Die CDU setzte dagegen auf konkrete Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Der SPD-Antrag fand im Ausschuss keine Mehrheit. Angenommen wurde hingegen der Ansatz, gezielt dort nachzubessern, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

Für FDP-Ratsmitglied und Ortsvorsteher von Hellefeld und Herblinghausen, Tom Rengshausen, ist dies der richtige Weg.

„Verkehrssicherheit ist zu wichtig für pauschale Lösungen. Wenn es konkrete Gefahrenstellen gibt, müssen wir dort handeln. Aber aus den vorliegenden Messdaten lässt sich aus meiner Sicht keine Notwendigkeit ableiten, ganz Hellefeld mit einer Tempo-30-Zone zu überziehen.“

Die Messdaten sprechen nicht für ein generelles Geschwindigkeitsproblem

Grundlage der Diskussion sind Verkehrsmessungen auf der Hellefelder Straße. Im Messzeitraum wurden insgesamt 6.206 Fahrzeugdurchfahrten erfasst.

Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 34,5 km/h. Der Median betrug 36 km/h. Die sogenannte V85 lag bei 42 km/h. Das bedeutet: 85 Prozent aller erfassten Fahrzeugdurchfahrten erfolgten mit höchstens 42 km/h. Lediglich 15 Prozent der gemessenen Fahrzeuge waren schneller unterwegs. 

Damit zeigt die Messung aus Sicht der FDP vor allem eines: Von einem generellen Raserei-Problem kann auf Grundlage dieser Daten kaum gesprochen werden.

Auch die SPD stellt in ihrer eigenen Auswertung fest, dass die V85 unterhalb der derzeit zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h liegt. Gleichzeitig leitet sie daraus jedoch die Forderung nach einer flächendeckenden Tempo-30-Zone ab. 

Für Rengshausen ist diese Schlussfolgerung nicht überzeugend:

„Wenn die tatsächlichen Geschwindigkeiten bereits deutlich unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegen, muss man sehr genau begründen, warum trotzdem eine flächendeckende neue Regelung erforderlich sein soll.“

Messdaten und politische Bewertung sauber trennen

Auch bei anderen Argumenten lohnt sich ein genauer Blick.

Im SPD-Antrag werden unter anderem eine erhöhte Lärm- und Abgasbelastung sowie zusätzliche Risiken für den Straßenverkehr angeführt. Diese Punkte können grundsätzlich politische Abwägungskriterien sein. Sie wurden im Rahmen der vorliegenden Verkehrsmessung jedoch nicht eigenständig untersucht. Es liegen weder konkrete Lärmmessungen noch Abgasmessungen vor. 

Ähnlich verhält es sich beim Schwerverkehr. Die Messanlage unterscheidet zwischen Pkw, Transportern, Lkw und Lastzügen. Aus diesen Fahrzeugkategorien lässt sich jedoch nicht ableiten, welches tatsächliche Gewicht die einzelnen Fahrzeuge hatten. Ob und in welchem Umfang tatsächlich gegen bestehende Gewichtsbeschränkungen verstoßen wurde, lässt sich aus den Messdaten deshalb nicht unmittelbar feststellen. 

Genau hier setzt für die FDP eine sachorientierte Kommunalpolitik an: Probleme müssen belastbar festgestellt werden, bevor neue Verbote oder zusätzliche Einschränkungen eingeführt werden.

Konkrete Probleme konkret lösen

Der nun angenommene Antrag verfolgt einen anderen Ansatz.

Vorgesehen ist unter anderem, die Straßenmarkierung des Schulweges zu erneuern und einen zusätzlichen Hinweis „Achtung Schule“ zu prüfen. Außerdem soll die derzeit unterschiedliche Beschilderung für den Schwerverkehr vereinheitlicht werden. Ergänzend sollen Verwaltung und Polizei prüfen, welche weiteren Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sinnvoll und rechtlich möglich sind. 

Die Verwaltung wurde beauftragt, diese Maßnahmen zu prüfen, soweit rechtlich möglich umzusetzen und im kommenden Ausschuss darüber zu berichten. 

Für die FDP ist dieser Weg wesentlich überzeugender.

„Wenn ein Schulweg besser markiert werden kann, dann sollten wir das tun. Wenn Beschilderungen uneinheitlich sind, dann gehören sie überprüft. Wenn es schlecht einsehbare Stellen gibt, müssen wir uns diese konkret ansehen. Das ist vernünftige Verkehrspolitik“, so Rengshausen.

Tempo 30 hätte weitere Folgen

Eine flächendeckende Tempo-30-Zone ist zudem nicht lediglich eine Änderung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Innerhalb einer Tempo-30-Zone gilt an Kreuzungen und Einmündungen grundsätzlich Rechts-vor-Links. Genau darauf weist auch der CDU-Antrag hin. Dort wird ausdrücklich die Sorge formuliert, dass insbesondere schlecht einsehbare Nebenstraßen dadurch möglicherweise neue Konfliktsituationen schaffen könnten. 

Auch deshalb sollte eine solche Regelung nicht pauschal, sondern nur nach sorgfältiger Betrachtung der tatsächlichen örtlichen Situation eingeführt werden.

Keine Symbolpolitik auf dem Rücken der Anwohner

Für die FDP Sundern ist der politische Grundsatz klar: Verkehrspolitik darf nicht nach dem Prinzip funktionieren, möglichst viele neue Regeln zu schaffen. Sie muss konkrete Probleme lösen.

Das entspricht auch der grundsätzlichen verkehrspolitischen Linie der FDP Sundern: Alle Verkehrsteilnehmer sollen ihren Platz haben. Maßnahmen müssen sich am tatsächlichen Bedarf orientieren und dürfen nicht ideologisch motiviert sein. 

Rengshausen fasst die Position so zusammen:

„Verkehrssicherheit beginnt nicht mit möglichst vielen Schildern, sondern mit verantwortungsvollem Verhalten und vernünftigen Maßnahmen dort, wo sie gebraucht werden. Wir wollen keine pauschale Reglementierung, sondern Lösungen mit Augenmaß.“

Die Entscheidung des Ausschusses ist deshalb aus Sicht der FDP ein guter Kompromiss: Die Verkehrssituation in Hellefeld wird weiter ernst genommen. Konkrete Schwachstellen werden angegangen. Gleichzeitig wurde auf eine flächendeckende Regelung verzichtet, für deren Notwendigkeit die vorliegenden Daten aus Sicht der FDP keine ausreichende Grundlage liefern.

So sollte Kommunalpolitik funktionieren: hinschauen, prüfen, abwägen – und anschließend das umsetzen, was tatsächlich hilft.